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Contextual inquiry

Die Contextual Inquiry wird manchmal als »Königin der Erhebungsmethoden« bezeichnet. Sie ist eine  Beobachtungsform, die auf einer Art Meister-Schüler-Modell basiert. Bei einer Contextual Inquiry begleitet eine Beobachter:in in einem offen kommunizierten Rollenspiel eine beobachtete Person. Die Beobachter:in verhält sich so, als habe sie die Aufgabe, die relevanten Arbeitsabläufe von der beobachteten Person zu erlernen.

Einsatz eines Contextual Inquiry

In einer Contextual Inquiry ist die Beobachter:in in der Rolle eines Schülers oder einer Schülerin, die von einer interviewten Person lernt. Die beobachtete Person fühlt sich in diesem Rollenspiel auf diese Weise schnell in einer sicheren Position, die begleitende Beobachtung wird weniger als Kontrolle wahrgenommen. Oft fällt es beobachteten Personen daher leichter, einen Einblick in Schwierigkeiten von Abläufen oder Fehlerpotenzialen zu gewähren.

Während des Rollenspiels kann eine Beobachterin oder ein Beobachter bei der Arbeitsdurchführung auf natürliche Art und Weise Fragen stellen, um die Arbeitsschritte und mögliche Ausnahmen im Arbeitszusammenhang zu verstehen — jede lernende Person würde dies schließlich auch tun.

Die Beobachtung sollte dabei nicht zu einer generellen Schulung werden, bei der lediglich über Arbeitsprozesse und ihre Ergebnisse geredet wird. Die beobachtete Person sollte ihre Arbeitsabläufe vielmehr am Arbeitsplatz durchführen, ihr Vorgehen demonstrieren und nicht alleine verbal darüber berichten.

Bei der Durchführung einer Contextual Inquiry interessiert uns auch das Umfeld, in dem gearbeitet wird: Der typische Ablauf von Arbeitsprozessen, zugrunde liegende Ziele, wesentliche Störungen, situative Randbedingungen oder der Einsatz unterstützender Werkzeuge. Natürlich wollen wir auch etwas über die Eigenschaften der direkten Nutzerinnen und Nutzer und weiterer in den Arbeitsprozess eingebundener Personen erfahren.

Ablauf einer Contextual Inquiry

  1. Die Teilnehmenden stellen sich vor. Es wird erklärt, was das Ziel der Contextual inquiry und ihre anvisierte Dauer ist. Auch wird transparent gemacht, was mit den Daten der Erhebung geschieht.  Das Rollenspiel des Contextual inquiry wird erklärt. Die beobachtete Person wird gebeten laut zu denken, während dem sie ihre Aufgaben erledigt.
  2. Zu Beginn kann es ein einleitendes, kurzes Interview geben, bei dem die Beobachterin oder der Beobachter einige grundlegende Fragen zur Person und den anstehenden Aufgaben stellt.
  3. Die beobachtete Person führt ihre Aufgaben durch. Die Beobachterin oder der Beobachter stellen währenddessen Verständnisfragen — es sollte nach Möglichkeit nur selten unterbrochen werden.
  4. Im Anschluss an umfassendere Aufgaben stellt die befragende Person weitere Fragen. Die Fragen können auf die Überprüfung von Hypothesen abzielen, die während der Beobachtung gebildet wurden. Ebenso kann beispielsweise gefragt werden, wie typisch und relevant ein beobachteter Vorgang ist.
  5. Zum Abschluss rekapituliert die Beobachterin oder der Beobachter den Ablauf und interessante Beobachtungen.

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Forschungsplan

In einem Forschungsplan werden die geeigneten Forschungsfragen, Erhebungsmethoden und Stichproben festgelegt.

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Leitfaden

Ein Leitfaden ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Durchführung von halbstrukturierten Interviews oder Beobachtungen.

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